Wahlprogramm 2014 – 2020

1.       Bürgerfreundliche Kommunalpolitik – transparente Stadtverwaltung – überregionale Vernetzung

Toleranz und Gerechtigkeit sind die Grundlagen einer bürgerfreundlichen Kommunalpolitik. Sie setzt ein hohes Maß an Bürgerbeteiligung und Transparenz voraus. Daher sind die Bürgerinnen und Bürger in sämtliche wesentlichen Entscheidungen so früh wie möglich ZfW-03einzubeziehen, insbesondere betroffene Verbände und Initiativen. Das bürgerschaftliche Engagement im Ehrenamt ist verstärkt zu würdigen und zu unterstützen. Bürgerkritik muss mehr als bisher als anregendes Instrument zur Leistungsverbesserung der Stadtverwaltung verstanden werden; daher sind verbesserte Strukturen zur Kontrolle der Verwaltung durch den Bürger einzuführen. Die Verwaltung ist für den Bürger da und soll das nach außen auch erkennbar werden lassen. Für den Stadtrat und die Stadtbürger relevante Informationen sind zeitnah zu veröffentlichen. Die  Randgemeinden sind als Partner gemeinsamer Vernetzung zu verstehen. Insgesamt muss eine neue Verhandlungskultur die Position von Würzburg als Mainfranken-Metropole im Spannungsfeld zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und der Metropolregion Nürnberg und im Verhältnis zum Freistaat Bayern stärken.

Im Einzelnen bedeutet das:

  • Die Verwaltung ist gehalten, über Bürgerversammlungen hinaus, die Bürgerinnen und Bürger der Stadt mittels moderner Formen der Kommunikation (z.B. Meinungsplattform im Internet, Open Space-Veranstaltungen) aktuell in den Entscheidungsfindungsprozess einzubeziehen.
  • Der Stadtrat sollte vor wesentlichen Beschlüssen sachbezogene Bürgerhearings durchführen.
  • Die jungen Menschen sind organisatorisch verstärkt in die Gestaltung der Stadt einzubeziehen, die Seniorenbeiräte strukturell besser mit der Stadtplanung zu vernetzen.
  • Die Senioren sind als Aktivitätspotenzial der Stadt in möglichst zahlreiche städtische Projekte einzubeziehen.
  • Die Aufgaben des städtischen Ombudsrats sind nach Möglichkeit auch zur Kontrolle anderer Bereiche der Stadtverwaltung auszuweiten.
  • Die Kommunikation mit den Umlandgemeinden aber auch zu den Nachbarstädten der Region ist zu verbessern.

2.       Stärkung und Entwicklung des Arbeits- und Wirtschaftsstandorts Würzburg                                

Das Oberzentrum Würzburg ist hinsichtlich seiner Wirtschaftskraft entwicklungsfähig. Mehr als bisher soll eine aktive kommunale Wirtschaftspolitik zukunftsträchtige Arbeitsplätze schaffen. Dabei können Universität und die Fachhochschulen sowie verschiedene außeruniversitäre Forschungseinrichtungen bei der Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Würzburg entscheidende Hilfestellung leisten. Die Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen als die größten Arbeitgeber der Stadt sind insbesondere auch durch stadtplanerische Aktivitäten zu fördern. Mehr als bisher ist aber zudem der Mittelstand im Bereich Handel und Handwerk sowie Hotel und Gaststätten zu berücksichtigen; diese Unternehmen schaffen nicht nur Arbeitsplätze, sie erhalten und gestalten diese Stadt in ihrer Attraktivität für alle, insbesondere aber für Touristen und Kongressbesucher.

Im Einzelnen bedeutet das:

  • die Wirtschaftsförderung der Stadt ist auch weiterhin gehalten, Branchenschwerpunkte u.a. durch Clusterbildung zu fördern, aber auch völlig neue Wirtschaftszweige  für eine Ansiedlung zu gewinnen.
  • die Hochschulen der Stadt sind in ihrer Entwicklung durch eine verstärkte Einbindung in die Stadt, insbesondere städteplanerisch zu unterstützen.
  • In Würzburg vorhandene Spitzentechnologie ist durch die Schaffung und den Betrieb weiterer Innovations-, Technologie- und Gründerzentren verstärkt zu fördern.
  • Kleine und mittelständische Betriebe in Handel und Handwerk sowie Hotel- und Gaststättengewerbe können zur Verminderung der Arbeitslosigkeit beitragen und unterhalten im dualen System Ausbildungsplätze für junge Menschen; sie sind dabei verstärkt zu unterstützen.
  • Weitere Gewerbegebiete sind – erforderlichenfalls in Kooperation mit den Randgemeinden – vor allem im Bereich der früher militärisch genutzten Konversionsflächen (z.B. am Faulenberg) neu auszuweisen.

3.       Gesundes und attraktives Wohnen in Würzburg

Gesundes Wohnen zu angemessenem Preis muss allen Einkommensschichten in unserer Stadt ermöglicht werden. Dieses Ziel muss umso mehr im Blick behalten werden, als wegen der Schönheit der Stadt oder wegen des Studiums immer mehr Menschen in Würzburg wohnen wollen. Daher ist der soziale Wohnungsbau mehr als bisher zu stärken, insbesondere ist durch gezielte Initiativen Wohnraum für Familien zur Verfügung zu stellen. Gesundes und attraktives Wohnen setzt voraus, dass die Stadtverwaltung die Ziele einer ökologischen und menschengerechten Stadtplanung im Auge behält.

Im Einzelnen bedeutet das:

  • Durch eine geeignete Siedlungspolitik sollen in neuen Wohngebieten Baugrundstücke in angemessener Zahl für den sozialen Wohnungsbau, insbesondere für Familien, zur Verfügung gestellt werden.
  • Das Familienbad „Nautiland“ und die Eislaufbahn sollten erhalten bleiben. Es sollten weitere Spielpunkte im Stadtgebiet geschaffen werden, damit Familien auch in der Stadt verweilen können.
  • die Umwidmung von Wohnraum in Gewerbeflächen ist zu begrenzen.
  • Das Bemühen der städtischen Wohnbaugesellschaft Stadtbau GmbH und der örtlichen Baugenossenschaften, bezahlbaren Wohnraum bereit zu stellen, ist weiterhin zu unterstützen.
  • Zur Verminderung der studentischen Wohnungsnot sind dauerhafte Aktivitäten der Stadt - auch in Kooperation mit dem Studentenwerk – aber auch Privatinitiativen erforderlich.
  • Die Wohnbedürfnisse der älteren Generation sind verstärkt zu berücksichtigen; neue Formen des Zusammenwohnens von jung und alt sind zu unterstützen.
  • Neben der Wohnattraktivität der Innenstadt ist auch die der Stadtteile zu erhöhen und ihre Funktion als Mittelpunkt urbanen Lebens zu stärken, mit Kneipen, Sportvereinen, Einrichtungen zur Kinderbetreuung.Schulen, Seniorenheimen sowie städtischen und kirchlichen Stadtteilbegegnungsstätten.
  • Durch geeignete Luftreinhalte- und Lärmminderungspläne ist Vorsorge zu treffen, dass die Schadstoff- und Lärmbelastung in der Stadt vermindert und das Stadtklima verbessert wird.
  • Die Stadtplanung hat die historischen Grundstrukturen und den Denkmalschutz mehr als bisher zu beachten.
  • Der Ringpark und die städtischen Grünflächen sind wegen ihrer Bedeutung für das Stadtklima unbedingt zu erhalten und stellen einen Biotopverbund mit umliegenden Landschaftsräumen und Grünzügen dar.

4.       Erhöhung der Lebensqualität der Menschen durch eine nachhaltige Verkehrsplanung

Die Lebensqualität der Menschen in der Stadt ist ein hoher Wert. Dennoch wurde sie in der Vergangenheit durch einem weiten Teilen mangelhafte Verkehrspolitik immer wieder in Frage gestellt. Es fehlt in Würzburg noch immer an einer schlüssigen Verkehrsplanung. Sie müsste schwerpunktmäßig am Bürger, mit seinen urbanen Bedürfnissen, ausgerichtet sein und die Anforderungen der Stadtökologie mehr als bisher berücksichtigen.

Im Einzelnen heißt das:

  • Verkehrspolitik für Würzburg kann sich nicht auf die Stadt selbst beschränken, sondern muss das Umland – und überregional-, die Schiene sowie die Bundes- und Staatsstraßen einbeziehen.
  • zukunftsfähige Verkehrskonzepte setzen verstärkt auf technisch intelligente Verkehrssteuerung, die seit Jahren geforderten Mobilitätsstationen mit Park & Ride-Umsteigeplätzen und Fahrradstationen mit Leihfahrrädern sowie Carsharingangebote und Ladestationen für E-Fahrzeuge müssen umgesetzt werden.
  • Der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel hat Vorrang vor dem Ausbau weiterer Straßen. In jede Verkehrsplanung ist eine Radwegeplanung zu integrieren. Das Ratwegnetz muss besser ausgebaut werden, indem vorhandene Radwege miteinander verbunden und verknüpft werden.
  • Wegen der hohen Schadstoffbelastung im Würzburger Kessel ist weiterhin anzustreben, dass die Autobahn A3 von Heidingsfeld bis Randersacker in einem Tunnel geführt wird; die Stadt unterlässt alles, die planfestgestellte Trogtrasse zu unterstützen und entwickelt Aktivitäten, „die Amtstrasse“ und die mit ihr verbundenen schweren Lärm- und Schadstoffbeeinträchtigungen ganz besonders während der langjährigen Bauphase zu verhindern.
  • Es sind die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, damit der LKW-Durchgangsverkehr über 3,5 t vom Stadtring verbannt wird.

5.       Jugend und Schulen, Bildung für alle

Die Zukunft von Würzburg hängt davon ab, die Kindertagesstätten, die Schulen, Hochschulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung fortzuentwickeln und für die neuen Herausforderungen der nächsten Jahre fit zu machen. Versäumnisse der Vergangenheit bei der Sanierung städtischer Schulen müssen beschleunigt aufgearbeitet und zukünftig dringend verhindert werden. Dementsprechend ist der halbherzige in die Wege geleitete Schulentwicklungsplan zusammen mit Schulleitungen, Lehrkräften, Eltern und Schülervertretungen aktiv voranzutreiben. Die nachhaltigen Aktivitäten der Volkshochschule sowie privater Bildungsträger sind zu unterstützen.

Im Einzelnen heißt das:

  • Die frühe Bildung in Kitas mit Ganztagesangeboten ist finanziell zu stärken und ist ein wichtiger Standortfaktor; die Zahl der Kita-Plätze ist zwingend an den Bedarf anzupassen.
  • Die Sanierungsmaßnahmen und die inhaltliche Fortentwicklung des städtischen Schulsystems haben der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die Schulen immer größere Bedeutung als Lebensorte der Schüler mit Hausaufgabenbetreuung, der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, der Verpflegung in Kantinen und Cafeterien sowie der Freizeitgestaltung sind.
  • Das Angebot von wohnortnahen Schwimmkursen für Kinder sollte ausgebaut werden.
  • Die schulpsychologische Betreuung und die Sozialarbeit an den Schulen ist auszubauen.
  • Die Berufsberatung an der Schule erfordert zukünftig eine engere Zusammenarbeit mit Bildungsträgern und Betrieben, um die Beratung und Informationsangebote an den Schulen zu verbessern und den Einstieg in Beruf oder das Studium zu erleichtern.
  • Kinder von Asylsuchenden sind in die schulischen Maßnahmen einzubeziehen, erwachsene Asylsuchende sind in ausreichendem Umfang Sprachkurse anzubieten.
  • Die städtische Musikschule ist als musische Bildungseinrichtung mit Breitenwirkung zu fördern.

6.       Würzburg als Kulturstadt

Die Kulturstadt Würzburg ist über ihre Grenzen hinaus bekannt. Die Kultureinrichtungen der Stadt werden auch vom Umland genutzt. Einen großen Anteil hieran hat das Mainfranken Theater mit Schauspiel, Musiktheater und Ballett. Darüber hinaus verdienen zahlreiche Kleinbühnen und private Orchester besondere Beachtung. Das Mozartfest aber auch das Afrikafestival sowie das Filmfestival prägen den Kulturstandort. Der Kulturspeicher für die bildende Kunst und das Mainfranken Museum auf der Festung sind Anziehungspunkte für die Region.

Entwicklungsziele für den Kulturstandort Würzburg:

  • Das Mozartfest ist als Alleinstellungsmerkmal weiter zu entwickeln.
  • Die kleinen Bühnen und Orchester verdienen verstärkt Förderung.
  • Die hervorragenden Leistungen der Musikhochschule mit über 300 Veranstaltungen im Jahr sind für den Kulturstandort Würzburg nutzbar zu machen.
  • Das Afrikafestival als Einrichtung mit weltweiter Bedeutung ist verstärkt in die Marketingstrategie der Stadt einzubinden.
  • Von den Werken im Magazin des Kulturspeichers ist ein Inventarverzeichnis zu erstellen